Gesundes Essverhalten


#1

Also ich würde gern das Thema gesundes Essverhalten ansprechen. Wie geht es euch dabei? Meint ihr das ihr ein gesundes Essverhalten habt? Ich meine damit nicht nur das Essen was auf dem Teller liegt sondern eher euer Verhalten.

Bei mir hat sich das durch die Wettkämpfe drastisch verändert, leider ins negative. Dieses Thema wird viel zu wenig angesprochen, finde ich. Den durch das Kalorienzählen verändert sich die ganze Einstellung zum Essen, leider nicht immer ins positive. Ein Sättigungsgefühl kenne ich nicht mehr, besonders nach einem Wettkampf. Den da ist es wirklich so das ich Wort wörtlich “fresse”. Alles was mir unter den Nagel kommt wird förmlich verschlungen. Oft frisst man dan heimlich den nach außen hin sollte man ja ein Vorbild sein. Und dann quält einem das Gewissen so das ich so schnell wie möglich ins Fitness Studio Lauf um es irgendwie wieder gut zu machen, natürlich spielt sich das alles im Kopf ab. Dann meine ich" ab morgen esse ich wieder CLEAN". Obwohl das nicht funktioniert. Erst nach 2 Monaten ca. spielt sich das ganze ein und ich fange wieder an NORMAL zu essen, damit meine ich nur soviel wie ich wirklich brauche ohne das mir danach da Bauch steht als würde er gleich platzen.

Ich finde es wird so oft gezeigt wie super und toll sich jemand ernährt und Wettkämpfe macht. Aber was sich hinter den Kulissen abspielt ist ein Tabu Thema.

Ist es einfach eine Psychische Schwäche oder vl einfach Normal?

Glg Denise


#2

Hallo Denise,

Bei mir ist das so, dass es mir relativ leicht fällt meine Zeiten zur Nahrungsaufnahme einzuhalten. Lediglich am Abend nach dem Abendessen hab ich Lust nochmal was zu essen, egal ob das ein Apfel oder Schokolade oder sowas ist.
Aber das versuche ich durch Wasser trinken zu vermeiden. Meistens klappt das ganz gut, manchmal muss ich mich aber auch zwingen nichts mehr zu essen, vor allem weil ich auch jemand bin der gerne aus Langeweile isst :sweat_smile::see_no_evil:

An Wettkampftagen esse ich zum Frühstück kalorienreich, dann aber den ganzen Tag nichts bis zu meinem Wettkampf, der meistens nachmittags ist. Vor dem Aufwärmen dann eine Banane und direkt vor dem Wettkampf nur noch ein Stück Apfel. Danach hab ich eigentlich gar keinen Hunger mehr.
Und sonst komme ich eigentlich relativ leicht zu meinen „normalen“ Essgewohnheiten zurück.

Liebe Grüße
Laura :slight_smile:


#3

Ich hatte auch mal ein ungesundes Essverhalten. Mein Problem war, ich wollte um alles in der Welt “clean” essen und alles drehte sich nur noch da rum. Ich konnte eine Mahlzeit kaum mehr genießen, ohne darüber nachzudenken, was welche Zutat mit meinem Körper macht und ob es jetzt klug ist das zu essen oder nicht. Ich hab Zucker und Getreide so sehr verteufelt, dass ich es schon mit Gift assozierte. Meinem Ziel, 5kg Fett zu verlieren hat mich dieses Verhalten nicht näher gebracht. Ich hab dann von dem “cleanen” Zeug einfach mehr gegessen. Dieses gestörte Essverhalten war psychisch echt schon sehr anstrengend.
Was im Endeffekt geholfen hat war, wieder mehr intuitiv zu essen, kein großes Trara daraus zu machen. Mein Körper sagt mir schon was er braucht, ich muss nur genauer hinhören und mein Gehirn mit unnötigen Gedanken über wann, was wie viel zu vernebeln.
Ich finde dieses Erfahrung dennoch positiv, da ich viel über essen gelernt hab aus dieser fanatischen, extremen Zeit und daraus die wichtigen Dinge mitnehmen konnte.

Liebe Grüße
Max


#4

Ich denke, dass es auch mit der Art des Sports zu tun hat. In meinem Fall als Läufer ist es wichtig zur richtigen Zeit auch kohlenhydratreiche Nahrung zu mir zu nehmen. Insbesondere bei langen Laufstrecken.
Wichtig ist auch hochwertige Nahrungsmittel zu verwenden. Seit ich bewusster darauf achte, merke ich schon, dass man davon einfach satter wird. Sich ständig hungrig zu fühlen, so wie Denise berichtet kann in keinem Fall richtig und gesund sein. So weit mir bekannt ist, entwässert ihr vor den Wettkämpfen auch sehr stark.

Oft wird auch Hunger mit Durst verwechselt, da uns da unser Körper einen Streich spielt. Einfach mal bei vermeintlichem Hungergefühl ein großes Glas Wasser trinken. Sollte danach noch immer ein starkes Hungergefühl vorhanden sein, sollte man was essen.
Wenn der Körper durch die vermehrte Muskelmasse brennt wie ein Hochofen, muss man auch schon mal mehr futtern. Lieber aber dann kleinere Mahlzeiten oder einen “gesunden” Snack. Ich habe immer Riegel von “Black Bear” dabei (www.black-bear.com). Oder in Zukunft die von sportbionier :upside_down_face::wink:
Es gibt auch einen uralten Spruch, der eigentlich die heute gültige Ernährungsweise darstellt - morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann …


#5

Hallihallo Denise,

ich kann dich da ganz gut verstehen.
Wenn man lange auf etwas verzichtet, bzw es sich strickt verbietet, kommt irgendwann der Punkt wo man alles nachholen will.

Das hat auch was mit Hormonausschüttung zu tun, die deinem Hirn meldet ob du satt bist od nicht.
Entwedert man hat von Natur aus dieses Problem, dass der Körper die Botenstoffe nicht annimmt und ignoriert und du nichts dafür kannst
bzw lösen Diäten genau das aus und dein Hirn muss es wieder lernen :frowning:
Mühsam, aber wie du selbst erlebt hast, kommt das wieder.

Ich habe da auch etwas damit gekämpft, aber was mir wirklich hilft:
Nicht heimlich od nebenbei etwas “ungesundes” “nicht clean” zu essen!
und ganz klassisch 3 Mahlzeiten einzuführen
(weg von deinem alten Essenplan für den Wettkampf)

Mit einem Freund od Freundin ausmachen Eis essen zu gehen (darf dann ruhig nicht nur einen Kugel sein :wink: ) od Kaffee und Kuchen od Burgen mit Pommes
wenn man dann nicht alleine ist, dann wird man etwas gebremst sich zu überfressen - man ist vielleicht bummvoll, aber nicht so wenn man allein im stillen Kämmerlein das macht
und dann wie @MaxSetter13 es geschrieben hat - intuitiv: Wenn kein hunger da ist, dann einfach später essen, nicht zwingen
klingt in dem Punkt vielleicht blöd, weil wir ja eigentlich über das Überfressen reden, aber das war bei mir auch so ein Schlüsselpunkt.


#6

Hallo Denise!

Für mich ist das Thema Ernährung ein Thema, dass mich mittlerweile auch jeden Tag verfolgt… und das denke ich nicht positiv. Es ist ein Thema geworden, dass mich Mental ziemlich belastet… und im Leistungssport ist jede negative mentale Belastung ein riesiger Stein auf dem Weg zum Ziel.

Interessanterweise finde ich mich in fast allem wieder, was du hier angesprochen hast!
Ich nehme mir vor zu verzichten, esse schlussendlich doch noch mehr… Ich esse “heimlich und schnell” etwas süßes und im ersten Moment kommt es mir dann vor als wäre das ja garnicht so schlimm, kurz danach komme ich mir noch schlechter vor :smiley: Ich veräppel mich damit also selber…
Jeden Tag sage ich mir “Ab Morgen gibst du dir wieder mehr Mühe!”.
Und das Sättigungsgefühl kenne ich auch nicht wirklich.
Aufeinmal komme ich mir unglaublich schlecht vor, habe schlechte Laune und nerve alle damit… im nächsten Moment bin ich dann übermotiviert und halte das dann genau einen halben Tag durch. Wieder ein Grund für schlechte Laune. Viele Aussenstehende können dann leider absolut nicht nachvollziehen warum ich mir so ein Drama draus mache :wink:

Ich denke, dass sich dieses komische Essverhalten erst mit der Zeit entwickelt hat, in der ich angefangen habe mich sehr viel damit zu beschäftigen. Ich ernähre mich nicht schlecht, ich esse allerdings sehr gerne viel und auch sehr gerne Süßigkeiten… Ich weiß ganz genau wie ich mich ernähren muss, damit ich mich gut ernähre… ich schaffe es nur nicht eine Methode zu finden, mit der ich das umsetzen kann ohne gleich daran zu verzweifeln. Mein Ziel ist es eigentlich nur banale 3-4 kg abzunehmen…Ich habe wirklich schon gefühlt alles durch… Kalorien zählen, auf Kohlenhydrate verzichten, Abends weniger essen, … irgendwo habe ich immer eine Möglichkeit gefunden meinen kleinen Funken Hoffnung der Verbesserung zu zerstören :smiley:

Fazit: Ich kann mir vorstellen, dass das tatsächlich eine kleine psychische Schwäche ist. (Das hört sich jetzt so unglaublich schlimm an…ist es wahrscheinlich nicht.) Eine Lösung kann ich dir leider nicht geben… die suche ich auch noch :grin:
Und eigentlich ist das auch nur ein Luxusproblem das ich habe weil ich Leistungssport mache… Jeder der keinen Leistungssport betreibt schüttelt den Kopf wenn ich erzähle, dass ich 3 Kg abnehmen möchte…
Für mich ist das ein ewiges Thema

Lg Ronja


#7

Ich kenne deine Situation nur sehr gut. Ich hab auch ewig versucht noch ein pasr kilos abzunehmen und bin kläglich gescheitert. Was im Endeffekt unbewusst zielführend war, war bei mir nicht mehr zu viel Gedanken zu machen, der Intuition eben vertrauen. (+ ich hab aus anderen aufbauendes Krafttraining reduziert. Mein Körper brauchte weniger Kalorien und hab somit 5kg Fett und 2kg Muskeln abgebaut).
Versuch mal dich einfach mal hauptsächlich gesund zu ernähren (das weißt du ja sowieso wie das geht) und wenn du Bock auf Dessert oder Süßes hast, es einfach zu zu lassen. Schmeckt dann besser ohne schlechtes Gewissen und so schlimm ist es erfahrungsgemäß nun auch nicht :wink:


#8

Abnehmen und Essen will “gelernt” sein. Im Leistungssport sieht es natürlich auch wieder ganz anders aus. Im Privatbereich kann man viele Informationen aus dem Netz bekommen. Aber alle verfolgen eine simple Regel.
Gesundes Abnehmen geht immer mit Muskelaufbau einher. 70% macht die Ernährung und 30% die sportliche Aktivität. Mehr Eiweiß und weniger Kohlenhydrate. Um Fett zu verbrennen ist die Art der sportlichen Betätigung wichtig. Die Muskeln müssen ordentlich “brennen”. Und entweder die Intensität oder Länge der Aktivität.
Das Gewicht sagt nichts über Erfolg oder Misserfolg des Abnehmens. Muskeln sind schwerer als Fett.
Aber am Bauchumfang (viszerales Bauchfett) ist der Erfolg zu messen.
Reduziere Fett und andere Inhaltsstoffe die der Körper zu Fett umwandelt. Dazu zählt jede Art von Zucker. Der ist auch in süßen Früchten, Honig, Ahornsirup etc.
Ein Körper darf niemals längere zeit unter Hunger leiden. Das ist der Beste Weg zum Jojo-Effekt. Leider ist das ein Überrest des Urmenschen wenn er Hunger leidet, legt er sämtliche Nahrung in Fettdepots an - für weitere “schlechte” Zeiten.
Sich immer wieder mit Süßem zu “belohnen” ist wichtig. Und Essen darf kein Zwang sein. Ich selbst bin auch nicht unbedingt ein Genießer, aber Mahlzeiten schön anrichten und sich dafür Zeit nehmen ist extrem wichtig. Langsam die Nahrung kauen um dem Gehirn genug Zeit zu geben das Essen auch “wahrzunehmen”. Medizinberichte gehen von ca. mind. 20 Minuten aus, die benötigt werden, damit wir registrieren, dass gegessen wurde. Also der kleine Happen oder gar Burger zwischendurch wird gar nicht als Nahrung wahrgenommen. Die Kalorien jedoch sind trotzdem aufgenommen worden.
Es ist auch falsch sich ständig mit dem Thema Ernährung auseinander zu setzten. Je weniger man darüber nachdenkt, desto gesünder isst man automatisch.
Problematisch ist das Thema Ernährung für alle die eine berufliche Tätigkeit haben, die gesundes Ernährungsverhalten nur schwer zulassen. Aber wo ein Wille da auch ein Weg. Viele Betriebe setzen mittlerweile auch bewusst auf das Thema. Es geht ja auch um die Gesunderhaltung der Mitarbeiter/innen. Die Krankenkassen unterstützen sogar Projekte “Gesund am Arbeitsplatz”. Hier sind auch die Betriebsräte gefordert.
Was nützt meine ganze Mühe im Privatbereich, wenn ich während meiner Arbeitszeit wieder alles zu Nichte mache.
Das Thema lässt sich somit nicht in eine gültige Regel pressen.
Es gibt schon Workouts die max. 20 Minuten dauern. Soviel Zeit zur Verlängerung der Lebenszeit kann man leicht aufbringen. Jede/r wird wohl seinen eigenen persönlichen Weg finden müssen der mit seiner Lebensweise vereinbar ist.


#9

Vielen Dank für die Zahlreichen Antworten. Das Gefühl nicht alleine damit zu sein stärkt einem Enorm. Alle Beiträge kann ich voll und ganz nachvollziehen. Was ich total super finden würde ist in solchen Momenten mit anderen darüber zu sprechen, die was es so wie anscheinend nicht nur ich kennen. Sich gegenseitig zu stärken. Es waren bis jetzt schon tolle Tipps dabei. Danke für eure Offenheit.


#10

Hallo die Runde und vielen Dank @Denise_Liponik, dass du so ein Thema hier ganz offen ansprichst.

Ich komme zwar aus einer ganz anderen Ecke, rein aus sportlicher Sicht und kann mich deshalb nicht zu 100% in dich hineinversetzen, möchte aber auch gerne etwas zum Thema schreiben, weil die Beiträge echt spannend sind.

Ich vertrete auch die Meinung, dass unser Körper ziemlich intelligent ist und uns zeigen kann, was er benötigt, bin jedoch auch davon überzeugt, dass dies auch von der Ernährung vor/während und nach einer Phase abhängig ist. Wir gewöhnen unserem Darm/Hirn meistens etwas an und unser Hirn gibt sich nunmal auch mit kurzfristigen Lösungen zufrieden = Ich will Energie - her damit - ich nehme was kommt. Langfristig ist das aber für unseren Körper nicht immer das Beste.

Natürlich habe ich selbst auch schon viel ausprobiert und will einfach mal berichten, was mir geholfen hat. Max hat es ja auch schon geschrieben, dass er den Zucker fast komplett verteufelt hat. Was für mich dahinter steckt ist das Misstrauen gegenüber der Industrie. Ganz ehrlich: Ich hab keinen Bock mehr einen Großteil der Lebensmittel zu konsumieren, die es auf dem Markt gibt. Was da teilweise drin ist will ich einfach nicht. Also ein kleines Beispiel aus meiner täglichen Ernährungspraxis: Ich liebe Honig und ich steh total auf selbst gemachte Nusscreme. Das ist auch was süßes und sicherlich konsumier ich davon manchmal “zu viel” (im Verhältnis zu dem, was ich bräuchte), aber dadurch dass es selbst gemacht bzw. ein Naturprodukt ist (im Fall vom Honig) hat es für mich einen ganz anderen mentalen Stellenwert und gehört für mich einfach zu gesunder/guter Ernährung dazu.

Daraus hat sich für mich persönlich ein gesundes/normales Essverhalten entwickelt. Ich habe meine Routinen, die sich dann natürlich auch nach den Trainings- und Wettkampfphasen richten, aber manche Dinge bleiben unumstößlich.